Wiener Volksliedwerk 2005
Ausg’stellt is’ ... die Wienermusik - Wienerlied und Weana Tanz

CD-ROM zur Geschichte des Wienerliedes basierend auf der gleichnamigen Ausstellung im Rahmen von wean hean 2004.

Virtuelle Welten begegnen uns täglich, dabei wächst mitunter die Sehnsucht nach dem Sinnlich-Erfassbaren. Auch wir haben so ein virtuelles Etwas geschaffen: einen Ausstellungskatalog auf CD-ROM. Diese verweist jedoch zurück in eine durchaus reale Dimension, nämlich in das Archiv des Wiener Volksliedwerkes. Es schien uns die einzig sinnvolle Möglichkeit zu sein, dem gewaltigen Input der außerordentlichen Ausstellung über das Wienerlied im Jahr 2004 in der „Stadtgalerie Vienna“ im Rahmen des wean hean Festivals gerecht zu werden.

Auf 350 m2 Ausstellungsfläche zeigten wir damals rund 800 Exponate aus dem Archiv des Wiener Volksliedwerkes, darunter hauptsächlich Liedflugblätter, Notendrucke, Handschriften, Illustrationen und Fotos aus dem 18./19. und 20. Jahrhundert. Biografisches Material der wichtigsten Komponisten, Textautoren und Interpreten bildeten einen anderen Schwerpunkt, ebenso Instrumente der Wiener Popularmusik und die des typisch wienerischen Schrammelquartetts, wie die „Knopferlharmonika“ oder das „Picksüaße Hölzl“ (G-Klarinette).

Eine Vorgabe war, die Geschichte und Entwicklung des Wienerliedes aufzuzeigen und ihre wichtigsten Protagonisten vorzustellen. Es folgte eine Archiv–Schatzsuche, deren Ausmaß alle bisherigen Recherche-Feldzüge in den Schatten stellte. Die Vielzahl der Liedflugblätter bzw. der so genannten Volksausgaben, wie sie ab Beginn des 20. Jahrhunderts in Wien heißen, gibt uns einen Eindruck von der Verbreitung des Wienerliedes und seiner Sonderstellung zwischen Volkslied und Kunstlied. Während im 19. Jahrhundert die Veröffentlichung von Volksliedern vor allem ein Metier von Literaten, Volksliedsammlern und Forschern war, war das aufblühende Liedflugblatt-Geschäft der Wiener Drucker die Folge einer realen Nachfrage.

Die Wiener wollten nicht nur ihre Lieblingsinterpreten hören, sie begehrten auch die zum Teil täglich neu entstehenden Liedtexte käuflich zu erwerben. Für 2 Kreutzer, 30 oder 60 Heller, 43 Groschen oder 20 Pfennige wurden die Liedblätter von Liederhändlerinnen und Kolporteuren auf der Straße verkauft, die von Buchdruckern und Kupferstechern hergestellt wurden. Liedblätter mit Noten kamen erst nach Einführung kostengünstigerer Drucktechniken (Zinkdruck) etwa ab 1860 in den sich langsam etablierenden Musikalienhandel. Grob geschätzt befinden sich im Archiv des Wiener Volksliedwerkes ca. 20.000 dieser ca. 12 x 18 cm großen Liedflugblätter – ohne die Mehrfachbelege dabei zu berücksichtigen. Die ältesten stammen aus dem Jahr 1755, die jüngsten aus den 1960er Jahren.

Neben diesen kleinen Ausgaben, die meist mit Singstimme und teilweise Lauten/Gitarrenakkorden gesetzt waren, gab es ab der Jahrhundertwende auch großformatige Klavierausgaben. Die Titelblätter variieren vom künstlerisch-grafischen Kleinod bis zum nüchternen Entrée auf Billigpapier. Mit ihnen haben wir unsere Ausstellung hauptsächlich konzipiert, sie in ihrer ganzen Bandbreite dargestellt. Sie geben uns einen emotionalen Zugang zu den Liedern, zu ihrer Zeit und zu ihren Urhebern. Der Liebhaber und Fachmann wird beim virtuellen Rundgang durch die Ausstellung auf viele Liedtitel stoßen, die er – mehr oder weniger - kennt, dem Wienerlied-Unkundigen soll die Neugier auf Liedinhalte geweckt werden. Eine Reihe von Liedern sind auch vollständig dargestellt, vor allem die älteren, die kein Titelblatt haben, sondern einseitig mit Holzschnitt oder Stich und Text bedruckt sind.

Die CD–ROM kann kein Archiv und schon gar nicht ein großes Liederbuch ersetzen (da sprechen auch Verlags- und Copyrightrechte dagegen). Unser Anliegen ist lediglich, einen zeitgemäßen Einblick in unsere Archivmaterialien insbesondere für Forscher, Musiker und ein interessiertes Publikum zu schaffen. Die CD–ROM ist ergänzend zur Buchpublikation „Wienerlied und Weanatanz“ (Wien: Löcker Verlag 2004) zu verstehen. Nicht mehr – und nicht weniger.

Susanne Schedtler, Wien 2005

5.00 €