Herbert Prikopa (1935-2015)

Knapp nach seinem 80. Geburtstag ist Herbert Prikopa nach längerer Krankheit am 8. Dezember 2015 gestorben.

Für diejenigen, die Herbert Prikopa nicht gekannt haben, ist seine Wirkung als herausragender Sänger, Pianist, Dirigent und Komponist nicht leicht zu vermitteln. Prikopas musikalisches Wissen und Können war enorm, parodistische Nummern, in denen er auf Musikwerke Bezug nahm, schüttelte er aus dem Ärmel. Überhaupt war das Komikerfach, in dem er in der Volksoper seit den 1950er Jahren in unzähligen Operetten-Rollen brillierte, auf ihn zugeschnitten. Prikopa gelang es sogar, fremdsprachiges Publikum zu erobern, wie etwa als Frosch in der »Fledermaus«, als das Volksoperensemble 1961 in Paris gastierte (Klaus Bachler, Otto Fritz und Robert Herzl, »Die Volksoper. Das Wiener Musiktheater«, 1998, S. 149). Auch literaisch war Herbert Prikopa aktiv: 1994 erschien seine Biographie über »Erich Kunz – ein Leben für die Oper« (zusammen mit der Musikwissenschaftlerin Cornelia Szabó-Knotik), 1999 »Die Wiener Volksoper. Geschichte eines notwendigen Theaters« und 2004 ein »Strauß Führer durch Europa«. Das Wiener Volksliedwerk hatte das Vergnügen, bereits im Rahmen des ersten »wean hean« Festivals im Jahr 2000 mit ihm zusammenzuarbeiten. Unter dem Titel »www.at - wiener wort witz.ade?« unterhielten Herbert Prikopa und Gerhard Bronner (*1922†2007) am 10. Oktober 2000 im Schubertsaal des Konzerthauses das Publikum mit ihrem unnachahmlichen Musikkabarett. Prikopa analysierte unter anderem den »G‘schupften Ferdl« humorvoll und deklarierte seine Chuzpe als öffentlich vorgetragenes Geburtstagsgeschenk an den Ferdl-Autoren Bronner, der in jenem Jahr 78 wurde. Die köstliche Nummer ist verewigt auf der CD »wean hean. Volume 1« (2001), die aber leider vergriffen ist. Am 8. Oktober 2005 traten Herbert Prikopa und Gerhard Bronner erneut im Rahmen des »wean hean« Festivals auf, diesmal mit Ernst Stankowski im Theater Akzent. »Die drei Seniöre« flanierten auf drei Klavieren solo oder auch zusammen, wie bei den unvergesslichen »88 Tasten«, einer quasi autobiografischen Hommage an den Klavierhumorismus (CD wean hean, Volume 6, 2006). Der einmalige Abend war ein Riesenerfolg, oft wurde es bedauert, dass es keine weiteren Aufführungen gab. Nachhaltig kümmerte sich Prikopa zeit seines Lebens auch um den Nachwuchs. 1964 gründete er mit Kammersänger Walter Höfermeyer inoffiziell das (heute nicht mehr existente) Studio der Volksoper, in dem die beiden unentgeltlich große Rollen der Opernliteratur mit jungen unbekannteren Ensemblekräften einstudierten. Damit diese ihre Partien auch vor Publikum aufführen konnten, wurde mit dem damaligen Badner Stadttheaterdirektor Franz Riffl eine »für beiden Seiten gewinnbringende Regelung« vereinbart: Baden bekam große Repertoirestücke und Opern an sein Theater und musste dafür weit weniger Budget aufbringen als es für bekannte Solisten hätte zahlen müssen. Prikopa berichtet darüber in seiner lesenswerten Geschichte über die Wiener Volksoper (s.o., S. 180 f.). Die erste Produktion war Verdis »Rigoletto«, in der Hans Strohbauer die Hauptrolle und Heinz Holecek (»damals noch Sänger und nicht Kabarettist und Parodist«), den »ausgezeichneten Sparafucile« gab. Zu seinem Bedauern übernahm die Volksoper 1967 das Studio offiziell »und damit war es schon aus«, resümierte er 1999: »Mit dem Jahr 1971 entschwand das Studio, das man eben mit Idealismus und ohne Bürokratie hätte führen müssen!« Prikopa fand es im Rückblick auch unverständlich, dass in der Volksoper-Geschichtsschreibung seine Rolle in diesem Studio gänzlich unterschlagen wurde, wie etwa in dem 1998 erschienen Buch »Die Volksoper. Das Wiener Musiktheater« von Klaus Bachler, Otto Fritz und Robert Herzl (S.149-151). Einer seiner für Herbert Prikopa persönlich wichtigsten Aktivitäten war die 1978 für das Wiener Konzerthaus konzipierte Reihe »Für Kinder und Kenner«.18 Jahre lang bewährte sich seine Devise »Nur das Beste für Kinder«, welche ein überaus erfolgreiches und einmaliges Wechselspiel zwischen Musikpädagogik und spannender Unterhaltung darstellte. Noch so viel ließe sich über Herbert Prikopa erzählen, über seine Dirigate und Kompositionen oder seinen erfolgreichen Strauß-Tourneen durch Europa; das kann man heutzutage alles leicht im Internet recherchieren oder nachlesen. Gewiss bleibt: mit ihm ging ein ganz Großer.
Ein Nachruf von Susanne Schedtler

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