Herbert Zottis Raunzerzone

in: bockkeller, 24. Jg., Nr.1 / Jänner-Februar 2018

Freut Euch – das Christkind kommt bald! Davor aber war noch der Krampus. Es mag überrascht haben, dass der noch immer schwarz herumläuft und sich nicht in zeitgenössisches Türkis kleidet. Eben doch ziemlich konservativ, wie die meisten unserer Brauchtumsträger. Bald wird unsere neue Regierung erscheinen und ihren Beitrag zu Dunkel ins Licht bringen. Die Frage ist, ob wir das noch merken werden. Es dämmert uns schon lange. Jetzt also: Sicherheit zuerst! Oder besser noch „Nationale Sicherheit“ & Heimatschutz! Mehr Polizei und Überwachung – wenn das kein Regierungsprogramm ist. Fürchtet euch nicht – hat der Engel zu den Hirten gesagt. Leider sind wir keine. Also weder Hirten noch Engel. Sonst könnten wir gelassen dabei zusehen, was Jugend am Werk so mit uns vorhat. Neben dem Jükanz also noch die JüNatpräsIn der österreichischen Geschichte. Erfahrung und Wissen gehören zur Welt von Gestern. Nicht dass wir bisher ein Übermaß an Kompetenz zu beklagen hatten – was man etwa an den Kosten für externe Berater von Ministerien ablesen kann, aber man konnte doch die ein- oder andere Person finden, die sich „auskannte“. Die Neuen werden nicht einmal wissen, wofür sie nicht zuständig sind und damit wird wieder eine gute alte Beamtentradition zu Grabe getragen.
Schauen wir zur Erheiterung auf unsere Nachbarn, wie die sich herumplagen: Jamaika ist halt auch für Germanen (zu) weit weg. Klar haben wir’s leichter: Eine ziemlich und eine deutlich rechte Partei unter einen Hut zu bringen ist allemal einfacher als Gedankensharing mit dem bajuwarischen Horstl oder einen schmollenden Eventualoppositionschef wieder auf Kurs zu bringen. Obwohl: Wenn die Ex-ÖVP ihre christlichen Wurzeln und ihre (gelegentlich auch etwas langweilige) bürgerliche Wohlanständigkeit wiederentdecken sollte, wird sie sich einigermaßen erschreckt fragen, wo sie eigentlich gelandet ist. Und dann?
Nützen wir die Vorweihnachtszeit! Gerade haben wir den Black-Friday überstanden, der bisher nur lächerliche 2 Tage gedauert hat.
Aber dann schon: Cyber-Monday. Und bald wird der ganze Advent ein einziger Black Cyber… Rabatte! Kaufrausch, supercool und ultrageil. Lauter Zeug, dass wir auch nicht brauchen! Bravo Handel! Jetzt wird‘s auch endlich Zeit der Geschäftsstörung durch den Sonntag den Garaus zu machen. Dann müssen sich die armen Menschen nicht einen ganzen Tag mit sich selbst oder der Familie herumplagen, sondern können einfach das Glück des Shoppens viel intensiver erleben. Schöne, neue Welt: 5 Tage hackeln, 2 Tage shoppen, dazwischen ein bisserl Unterhaltung, Facebook und Computerspiele. Was braucht der Mensch noch mehr?
Eines wird dabei immer wichtiger. Nein, nicht Entspannung – das ist Blödsinn und funktioniert sowieso nicht, sondern die Tiefenreinigung unseres Gemütes. Medikation: Jeden Abend ein paar Afterwork- Punscherln. Am Ende unserer Tage wird uns um jedes Glaserl leid sein, das wir nicht getrunken haben.
Prost Weihnachten!