Aufgeführt und vorgeführt.

Sommerakademie Volkskultur 2016

Mittwoch, 24.08.2016 - Samstag, 27.08.2016
Hotel Magerl, Gmunden

Call for papers - Aufruf zur Einreichung von Beiträgen
Infos und Anmeldung ausschließlich beim Österreichischen Volksliedwerk.

Weiterführende Links:
» Website Österreichisches Volksliedwerk
» Infos und call_for_papers.pdf

Hotel Magerl, Gmunden
Ackerweg 18, 4810 Gmunden am Traunsee
mail: info@hotel-magerl.at     web: www.hotel-magerl.at/



Sommerakademie
"Volkskultur als Dialog"
2015: Musik und ihre Orte

Österreichisches Volksliedwerk

Mittwoch, 26.08.2015 - Samstag, 29.08.2015
Hotel Magerl, Gmunden

Musik spielt sich nicht im luftleeren Raum ab. Sie hat ihre Orte und ist oft funktional mit Arbeit, Fest oder auch Trauer verbunden. Orte und mit ihnen verbundenen Anlässe bestimmen Melodien, Instrumente und Texte. Landschaften haben ihre Musiken. Sie kennen offenbar auch “typische” Melodien und ihre Instrumente zu den Anlässen und Orten. Mit Instrumenten werden Stimmungen und musikalische Gattungen verbunden. Oft werden sie mit ihnen so ‚konnotiert‘, daß uns ihre Zugehörigkeit selbstverständlich erscheint. Wenn sich Musik diesen Konnotationen verweigert, irritiert sie oder schafft sie – je nach Perspektive – Neues, Interessantes, bisher Ungehörtes, Unerhörtes.

Sozio-kulturelle Bedingungen und daraus entwickelte Lebensformen haben Musiken und Gattungen entstehen lassen. Orte wie die Stube haben sich verändert. Und die Stube als neu definierter Ort hat die Instrumentierung verändert. Die melodisch domestizierte Stubenmusik aus der Mitte des 20. Jahrhunderts hat als neue Gattung den Ort Stube neu vermessen und als ihre Musik, “Stubenmusik”, konturiert. So hat sie eine neue gesellschaftliche Situation abgebildet. Für die Gattung hat sich eine neue Praxis etabliert. Frauen haben dabei einen Ort in einer bisher von Männern dominierten Kultur gefunden, ja erobert. Tobi Reiser könnte man so als einen Agenten der Emanzipation verstehen. Die kammermusikalisch gewordene Musik wird, wiewohl umstritten, zum verfeinerten, leisen, eher femininen Genre, das sich als historisch intoniert.

Diskutieren wollen wir Musik und ihre Orte und ihre dazu notwendigen Instrumente in ihrer Materialisierung. Die Abwesenheit von Instrumenten (mit Ausnahme der Stimme) an bestimmten Orten und Anlässen, wie etwa bei Totenklagen, sollte beachtet werden. Mit den Orten und deren neuen Bestimmungen ändern sich Musiken. Das Wirtshaus von einst als Ort der Männer ist ein anderes als das heutige. Heute wird das “musikantenfreundliche Wirtshaus” ausgezeichnet: als Besonderes, das einst das Übliche gewesen sei. Das Bild des alten Wirtshauses wird zitiert, seine Musiken geben sich als authentisch.

Der Volkskundler Hans Moser hatte Ende der 1950er Jahren den Folklorismus kritisiert. Das als Brauch Vorgeführte finde zur falschen Zeit, am falschen Ort und Anlaß, also im falschen Kontext statt (Beispiel: Alpine Perchtengestalten in einer Wiener Shopping Mall). Ist, was Moser kritisiert hatte, heute normal, wird es gepflegt und gefördert? Ist ein neues Verständnis von Authentizität zu diskutieren? Alle Arten von Räumen und Orten, Arbeitsplatz, Schule, Straße oder Kirche und Küche (“kitchen-player”), alle Arten von Instrumenten in ihrer Materialität, auch als instrumentale Archaik der “Kultursachen” in Nachbauten und Neuschöpfungen (der Neudeutung von Drehleier und Dudelsack, Hummel oder Brummtopf) und der Neu- oder Wiedereroberung des öffentlichen Raumes wie auch die Privatisierung des einst Öffentlichen lassen sich diskutieren.

Die Sommerakademie Volkskultur wurde 1992 initiert. Sie ist eine Diskussionsplattform, die sowohl den praktischen als auch den theoretischen Zugang zur Volkskultur zu hinterfragen und überprüfen versucht. Ziel dieser jährlichen Veranstaltungsreihe ist es, das breite Betätigungsfeld der Volkskultur zu reflektieren und Brücken zu schlagen zwischen jenen, die Volkskultur leben und jenen, die sich wissenschaftlich damit beschäftigen.

Infos und Anmeldung ausschließlich beim Österreichischen Volksliedwerk.

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» www.volksliedwerk.at

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